Kinderbehandlung

Die Prophylaxe Kinder aus 20 Jahren Betreuung – das sind nicht alle Bilder

Die Behandlung kleiner und großer Kinder von etwa 2 bis 18 Jahren ist für uns eine vorrangige Arbeit. Wir wollen, dass möglichst alle Kinder mit 12 Jahren naturgesunde Gebisse haben, also weder Füllungen bekommen haben noch Zähne gezogen wurden.

Natürlich müssen wir auch da und dort Füllungen in Milchzähne legen, oder sogar Schmerzen im Milchzahngebiß beseitigen. Das sollen aber Ausnahmen bleiben. Und wie erreichen wir ein Höchstmaß an gesunden Kinderzähnen? Hier sind die Ideen:

  • Aufklärung der Eltern über ungesunde Getränke und Getränkeflaschen. D.h. Kinder unter 6 Jahren sollten nach Möglichkeit gar keine gesüßten Getränke erhalten, egal ob sogenannte Kindertees, Fruities, Matschies, Direktsaft oder ähnlich zweifelhafte Angebote der Nahrungsmittelindustrie. Vollkommen verboten sind Nuckelflaschen im Bett oder Nuckelflaschen, wenn das Kind schon aus einem Glas trinken kann. Wasser und ungesüßter Tee sind die empfohlenen Getränke für Kinder.
  • Aufklärung der Eltern über die Anwendung von Fluorid im Kindermund. Hat man früher als Zahnmediziner noch die sogenannten „D-Fluoretten“ empfohlen, also eine Tablette mit Vitamin D und Fluorid, so wissen wir heute, dass das Unfug war. Fluorid wirkt ausschließlich im Mund. Ist es runtergeschluckt, kommt es den Zähnen nicht mehr zugute. Wir empfehlen heute, etwa im Alter von 1 Jahr den Kleinkindern einmal am Tag die Zähne zu „putzen“. Die Anführungszeichen zeigen an, dass es nur darum geht, das Kind an die Zahnbürste und die Zahnpasta zu gewöhnen. Denn mit der Kinderzahnpasta kommt Fluorid in der für sie richtigen Konzentration von 600 ppm (Teile Fluorid pro Million Teile Zahnpasta) in den Mund. Das ist der entscheidende Punkt. Es gibt hunderte von Studien, die sich einig sind, dass das Fluorid im Mund die Karies herunterdrückt.
  • Versiegelung von Milchzähnen. Bei großem Kariesdruck, wenn also schon eindeutige Schäden im jungen Alter von 2 Jahren zu sehen sind, kommt die Versiegelung der Milchbackenzähne zum Zuge. Ohne irgendwelches Bohren wird die Oberfläche dieser Zähne mit einer schon fast festen Paste aus Glas Ionomer Zement (GIZ) mit dem dicken Finger zugeklebt. Wir verwenden dafür das Produkt „Ketac molar“. Die Vorteile liegen auf der Hand: Alle zugeklebten Flächen bekommen garantiert keine neue Karies mehr, und die unter dem Kleber befindliche Karies wird auf dem Stand festgehalten. Wissenschaftlich ist das Verfahren bereits abgeklärt: Bei der sogenannten Hall Technik wird dieses Prinzip mit Null Kariesentfernung und Versiegelung mit GIZ nur etwas anders, nämlich mit einer Edelstahl Kinderkrone durchgeführt. Dieses funktioniert ebenfalls hervorragend. Leider ist das Versiegelung von Milchzähnen keine Kassenleistung.
  • Versiegelung der bleibenden großen Backenzähne (sogenannte 6-er und 7-er). Glücklicherweise wurde die Versiegelung dieser wichtigen Backenzähne schon in 90-er Jahren zur Kassenleistung erklärt. Wir führen diese Versiegelung so früh wie möglich durch, d.h. häufig noch während die Zähne durch das Zahnfleisch in den Mund treten. Man weiß, dass die Zähne während ihrer Durchbruchszeit bis 1 Jahr danach am leichtesten von Karies befallen werden. Deshalb liegt der Schwerpunkt des Versiegelns immer um das 6. Lebensjahr für die 6-er und das 12. Lebensjahr für die 7-er. Wir verwenden ausschließlich Glas Ionomer Zement für das Versiegeln.
  • Fluorlack. Alle von der Prophylaxe betreuten Kinder erhalten 2 mal pro Jahr einen speziellen Lack auf die Zähne, dessen wirksamer Bestandteil das Fluorid ist. Alleine diese einfache Maßnahme vermindert den Zuwachs an Karies (falls ein solcher vorhanden ist) um 50%.

Mit Hilfe der genannten Maßnahmen gelingt es uns regelmäßig, dass 80 % bis 90 % der Kinder ein komplett karies- und füllungsfreies Gebiss im Alter von 12 Jahren haben.

 

4 Gedanken zu „Kinderbehandlung

  1. Danke für ihre Artikel. Meine Tochter ist 2 Jahre u hatte bereits 4 kariöse Zähne nur in der oberen Zahnreihe. Sie wurden aufgrund von zwei Zahnarztmeinungen behandelt (Narkose). Ich bin allerdings noch nicht beruhigt, da nicht klar ist woher der Karies kam. Nun glaub ich einen mini dunklen Punkt zw. Schneidezahn u oberen mittleren Zahn zu sehen. Sie isst kaum Süßes (sie mag es nicht), trinkt nur Wasser, isst wenig Obst wird aber noch gestillt – kann es wirklich daran liegen? – die Natur ist doch nicht dumm? Was sollte ich denn nun tun? Den Kontrolltermin haben wir nun vorverlegt – Zahnarzttrauma hat sie (noch) keines – will auch, dass das so bleibt. Was raten sie mir? Dankeschön Adeline

  2. Hallo Adeline,

    Muttermilch enthält einen ordentlichen Anteil an Laktose = Milchzucker. Und der ist verantwortlich für die typischen Kariesläsionen an den Oberkiefer Frontzähnen auf der Innenfläche. Habe ich mehrfach gesehen und ist sehr einfach beherrschbar: Versiegelung mit Glas Ionomer Zement.

    Dazu empfehle ich das Verwenden von Kinderzahnpasta mit typischerweise 900 ppm Fluorid zweimal am Tag. Es kommt weniger auf das korrekte Putzen an, als vielmehr auf das Einbringen der Fluorid Pasta in den Mund. Die Konzentration ist so berechnet, dass das Verschlucken der Zahnpasta keine Schäden anrichtet.

    Viele Grüße
    J. Wagner

  3. Sehr geehrter Herr Wagner,

    mein 18 Monate alter Sohn hat an den oberen 4 Schneidezähnen Karies
    (vermutlich durch nächtliches Stillen). 2 davon sind fast vollständig weggebrochen. Die Zähne sollen unter ITN behandelt, evt. gezogen werden. Auf Ihrer Seite Zahnfilm.de raten sie davon ab.
    Mein Sohn hat nun seit einigen Tagen aber offensichtlich Schmerzen, er schreit viel, fasst sich immer wieder an die Zähne und bekommt regelrecht Panik beim Anblick der Zahnbürste und kann schlecht schlafen. Essen verweigert er ebenfalls komplett und wird dadurch zum Dauerstiller, ein Teufelskreis. Was raten Sie in diesem Fall? Kann ich etwas gegen die Schmerzen unternehmen?

    Vielen Dank und viele Grüße

    Birgitt Pöschinger

  4. Hallo,
    vor drei Jahren wurde meiner 8jährigen Tochter vom Zahnarzt der Milchzahn versaut. Seit dem ist der Zahn „tot“ und offen, ohne Füllung. Man wollte ihn als Platzhalter erhalten. Nun hat sie am Zahn eine starke Zahnfleischentzündung. Sie hat keine Schmerzen. Es ist eine starke erbsengroße Schwellung, lt. Ärztin ohne Eiter. Denke aber es ist eine Milchzahnfistel. Unsere (neue) Zahnärztin wollte nun den Zahn ziehen, damit nichts Schlimmeres passiert. Meine Tochter wollte das natürlich nicht, weil sie seit damals Panik vor Spritzen hat. Die Zahnärztin hat uns nun Chlorhexamed-Gel verschrieben. Ich kenne das nicht. Gibt es noch mehr Alternativen? Möchte ihr nur ungern eine Vollnarkose zumuten. Vielen Dank im Voraus.

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