Endodontie = Wurzelbehandlung

Die Erhaltung der Zähne ist uns sehr wichtig. Solange ein Zahn fest im Knochen verankert ist und noch einigermaßen genug Substanz hat, kann er erhalten werden. Auch dann, wenn er (vorübergehend) starke Schmerzen verursacht. Dahinter steckt in den meisten Fällen eine sogenannte Pulpitis = der Zahnnerv ist unumkehrbar erkrankt. Und das ist die Stelle, an der die Wurzelbehandlung ins Spiel kommt.

Bei einer Wurzelbehandlung wird der erkrankte Zahnnerv (= die Pulpa) aus der Wurzel des Zahns entfernt. Die Pulpa muss man sich als ca. 18 mm langen, aber sehr dünnen (teilweise unter 0.1 mm) Schlauch aus lockerem Bindegewebe, Blutgefäßen und eben Nervzellen vorstellen. Dieser Schlauch beginnt an der Spitze der Wurzel und erstreckt sich bis in die Hälfte der sichtbaren Zahnkronen. Der Bereich dieses Schlauch in der Wurzel nennt sich Wurzelkanal.

Wurzelfüllung (= weißer Stift) im Zahn 21 (= OK vorne links)

Das Ziel der Wurzelbehandlung ist es, die mit Bakterien infizierte Pulpa vollständig auszuräumen, mit einem geeigneten Mittel alle benachbarten Dentintubuli (= Miniröhrchen entlang des ganzen Zahns) zu desinfizieren und schließlich in einer letzten Sitzung den Wurzelkanal mit einem festwerdenden Zement zu verschließen. Wir verwenden für die Desinfektion der Dentintubuli eine Extra Sitzung und als Mittel entweder CHKM (ChlorKampherMenthol) oder Iodoformpaste.

Diese beiden Mittel werden zur Zeit in der offiziellen Lehre der universitären Ausbildungsstätten als nicht notwendig bezeichnet, weil Calciumhydroxyd (= Kalk) eine vergleichbar gute Wirkung auf Bakterien haben würde. Leider ist dies nicht durch Beweise gestützt. Tatsache ist, dass speziell die Bakterienart Enterokokkus faecalis eine wochenlange Behandlung mit Calciumhydroxyd überlebt. Dazu muss man wissen, dass die aktuelle Endodontie mehr Wert auf die perfekte Feiltechnik im Wurzelkanal legt, als auf die Vernichtung von Bakterien. Das unerwünschte Ergebnis dieser Denkrichtung kann man immer wieder sehen an Zähnen, die zwar im Röntgenbild vorbildlich wurzelgefüllt sind, aber trotzdem eine bakterielle Entzündung an der Wurzelspitze aufweisen.

Die offizielle Erfolgrate der Wurzelbehandlung schwankt, je nach Quelle, zwischen 60 % und 90 % aller Fälle. Unsere Erfolgsquote liegt am oberen Ende, wobei wir auch viele Fälle von Revisionen, d.h. erneute Wurzelbehandlung nach gescheiterten Versuch woanders, dabei haben. Natürlich gibt es auch bei uns wenige Fälle, bei der die Wurzelbehandlung scheitert. Es handelt sich dann aber häufig um Komplikationen durch Risse in der Wurzel oder wochenlange unklare Schmerzen ohne Befund. Überweisungen zur WSR (= Wurzelspitzenresektion) gibt es in unserer Praxis so gut wie nie. Das liegt an der schlechten Prognose von WSR Zähnen: die Hälfte wird innerhalb von 5 Jahren gezogen.

Längenbestimmung der Wurzelfüllung mit einer Meßaufnahme

 

Ausbildung

In den 90-iger Jahren besuchte ich etliche Endodontie Kongresse und Fortbildungen in Bonn, Düsseldorf, Göteborg und Zürich.  Diese gaben wichtige Impulse für die tägliche Arbeit. Ganz besonders erinnere ich mich an das Aha Erlebnis auf dem Kongress in Göteborg, Schweden. Da sagte einer der Redner „Endodontie ist das Bemühen, Mikroben aus dem Zahninnern zu vertreiben und das Wiederbesiedeln zu verhindern. Alles andere hat sich dem unterzuordnen.“ Das hat mir meine Universitätsausbildung in Wurzelbehandlung nicht gesagt. Dort waren „schöne“ Wurzelfüllungen das Ziel. Seit der Göteborg Fortbildung betrachte ich nun alle Erkrankungen des Zahnnerven nur noch von der bakteriellen Seite.

 

Das führt zu Fragen:

  1. Wie kommen die kleinen Drecksdinger in den Zahnnerv?
  2. Gibt es Entzündungen des Zahnnerven ohne Bakterien?
  3. Kann man mit Antibiotika (= Mittel gegen Bakterien) eine bakterielle Entzündung des Zahnnerven behandeln?
  4. Wie kann man eine bakterielle Entzündung des Knochens an der Wurzelspitze eines bakteriell besiedelten Zahns behandeln?

Antworten

  1. Über Karieslöcher, die mindestens 2 mm tief sind.  +  Über Spalten zwischen Kunststofffüllung und Zahn.   +  Über Risse, die bei harten Knirschern z.B. an oberen 4-ern und unteren 7-ern auftreten.
  2. Nein
  3. Nein
  4. Durch eine Befüllung aller Kanäle eines Zahns mit einem örtlich wirksamen Desinfektionsmittel. Darunter verstehen wir : CHKM und Jodoform. Calciumhydroxyd reicht nicht.

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