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Eigene Erfahrungen Neuropathie des Trigeminus/Tipps  

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tjol
 tjol
(@tjol)
New Member
Beigetreten: 4 Wochen zuvor
Beiträge: 1
27/08/2020 8:46 pm  

Nach einer wahren Geschichte

Ich wollte hier meine Erfahrungen schildern, nachdem ich auch Betroffener der Trigenimus-Neuropathie wurde und das Schema über 5 Jahre! immer gleich war: Zahn schmerzt (Druckstelle) - Wurzelbehandlung - Extraktion des Zahnes - Zahnschmerz (Druckstelle) wandert in den nächsten Zahn. Mit diesem Spiel habe ich bis heute 10! Zähne verloren und kein einziger Zahnarzt kam auf die Idee je einmal zu sagen: „Stopp, das liegt nicht an den Zähnen, sondern ist nervlicher Natur!“ Ich rannte vom Physiotherapeut zum Psychotherapeut, von der Osteopathie über Heilpraktiker, Neuraltherapie und Schmerzambulanzen zum nächsten Zahnarzt, bekam Diagnosen wie CMD (Schienen waren für die Katz) und selbst Neurologen waren überfordert, da sie mit ihren Messungen des Trigenimusnerves nichts Außergewöhnliches feststellen konnten. Ein MRT war unauffällig und ich wurde, wie Herr Wagner es viel zu treffend formulierte, zu einem chronisch schmerzkranken Menschen, der oft am Rande der Verzweiflung lebte, man vegetierte, mit dem Kopf gegen die Wand von Tag zu Tag vor sich hin.

Es sind Schmerzen, die Außenstehende nicht nachvollziehbar können, Schmerzen, bei der man kurz mit dem Gesicht vor der Bordsteinkante ist. Nachts ist der Schmerz nie/kaum da. Am Morgen steigert sich der Schmerz im Tagesverlauf. Ich hatte tief, dumpfe, drückende, brennende Zahnschmerzen, manchmal war eine Seite auch taub, ich hatte das Gefühl, ich schwelle innerlich an, es wird warm, vor allem Kälte war Gift für den Trigenimusnerv, ich hatte das Gefühl der Nerv war entzündet und initiierte Zahnschmerzen. Ich hatte das Phänomen, dass der Schmerz immer nach einem gezogenen Zahn, einen Zahn nach vorne wanderte. Wenn ich etwas aß oder Zähne geputzt hatte, war der Schmerz wie weg dananch, auch warme Getränke waren gut, aber der Schmerz kehrte irgendwann wieder zurück. Stresssituation triggerten die Nerven-Zahnschmerzen. Ich hatte überempfindliches Zahnfleisch. Und jede leichte Berührung dort triggert wieder die Schmerzkaskade. Das passierte auch mit rausnehmbarem Ersatz an solchen Stellen. Der wurde – egal ob aus Metall oder Valplast – als „unerträglicher Druck“ empfunden.

Meine Schmerzen sind zwar heute noch da tagsüber (rampenförmiger Verlauf), aber auf einem niedrigen Level, wo ich mit Leben kann - ohne Medikamente. Übrigens als Anmerkung: Migräne, Trig. Neuralgie und Trig. NP sind verwandt, bzw. haben wahrscheinlich gemeinsame genetische Besonderheiten, die zu einer übermäßigen Nervleitung führen.

Was half letzendlich:

1. Einfach mal gar nichts tun (Ruhe)

Das nervenzerreibende an der Trigenimus-Neuropathie ist, dass die Selbstheilung so langsam geht. Man verliert irgendwann den Glauben daran, dass es irgendwann mal besser werden könnte. Bis zu 2 Jahren! hat es bei mir gedauert bis eine Schmerzstufe 8 auf 3 zurückgegangen ist. Von Medikamenten, die die Schmerzen lindern, wusste selbst die Schmerzklinik keinen Ansatzpunkt, was eindeutig bestätigt: Weiß der Arzt nicht, was hier passiert, dann sind alle Maßnahmen, die getroffen werden, reiner Aktionismus, eine Besserung wird nicht eintreten, manchmal wird sogar die Situation schlimmer dadurch.

2. Sport, Warmhalten

Ich denke beim Sport ist es einfach die Ablenkung, wenn man mal z.B. eine Runde joggt und dadurch weniger an die Schmerzen denkt (Ablenkung durch Aktivität). Auch beim Sport machen nimmt man mehr Sauerstoff auf. Gerade Menschen, die auch unter Migräne leiden, haben einen Sauerstoffmangel. Besonders im Winter war bei mir das Warmhalten das A und O (Schal anziehen). Der Kältereiz ließ nämlich das System immer wieder überreagieren. Im Supermarkt musste ich das Kühlregal mit Abstand umgehen - selbst da schmerzte der Trigenimusnerv. Eine warme Dusche nehmen und warmen Tee trinken beruhigte immer.

3. Alkohol

Kein Aufruf, um Alkoholiker zu werden. Ganz im Gegenteil, der Alkohol betäubt die überempfindlichen Stellen, beruhigt die Nerven, lenkt ab. Aber in Maßen! Zuviel kann auch wieder die nächste Migräne-Attacke auslösen.

4. Man darf sich nicht unterkriegen lassen

Positiv denken. Tief durchatmen bei stärkeren Attacken, es geht alles wieder vorbei. Spätestens in der Nacht war bei mir wieder Ruhe. Oft vergisst man auch, wo man herkommt und was man schon hinter sich hat. Nach einem Jahr waren die Schmerzen zwar immer noch schlimm und belastend, aber selbst ein Rückgang von Schmerzstufe 8 auf 6 merkte man.

5. Kaugummi kauen

Durch das Kaugummi kauen entsteht ein Reiz, der zumindest den Druckschmerz lindert. Das Kauen von Kaugummi (nicht schmerzhaften Reizen) beeinflusst die schmerzhaften im Sinne einer Minderung. Bei Gegendruck durch Kauen ist das Druckgefühl einfach besser.

6. Luft lassen

Generell Kronen immer mit Abstand zum Zahnfleisch setzen lassen bei Trigenisneuropathie und früher oder später Zahnlücken durch Einsetzen von Implantaten füllen.

 

 Was half nicht:

1. Von Arzt zu Arzt rennen

Jede weitere Zahnarztbehandlung vermeiden. Selbst das kleinste Abklopfen der Zähne, polieren, einpinseln mit Lack etc. erzeugte die nächste Schmerzwelle. Die Depression beginnt bei der Trigenimus-Neuropathie, wenn du nach gefühlten 30 Ärzten immer noch keine Besserung verspürst.

2. Prothesen, um die Zahnlücken zu füllen

Jeder leichte Druck der Prothese auf den Haltezahn ließ das System überreagieren. Wenn zudem das Zahnfleisch übersensibel ist, dann bewirkt jede kleine Druckstelle eine Katastrophe. Mein Trigenimus übertrug diesen Druck immer wieder übermäßig, jede leichte Berührung triggerte wieder die Schmerzkaskarde.

3. Zähne ziehen

Zum Schluss noch meine Persönliche Erkenntnis: Zahn ziehen lassen und Implantat setzen an dieser Stelle bedeutet nicht, dass das Druckgefühl weg ist an dieser Stelle. Also gut überlegen sich ggf. einen gesunden Zahn ziehen zu lassen!

 

Dies sind meine persönlichen Erfahrungen - jeder Mensch ist anders und fühlt auch anders und hat andere Ansatzpunkte, die helfen. Dies waren meine. Ich hoffe, ich konnte mit meinen Erfahrungen, dem einen oder anderen helfen, die Situation besser einzuschätzen und wünsche allen Betroffenen viel Durchhaltevermögen und hoffentlich bald wieder schmerzfreiere Zeiten! Die Sehnsucht nach einem Heilmittel bleibt!

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Zitat
Schlagwörter für Thema
Gerda
(@gerda)
Active Member
Beigetreten: 1 Jahr zuvor
Beiträge: 19
30/08/2020 9:43 am  

Hallo,

das hört sich alles echt schlimm an.

Danke für die Darstellung. 
allerdings zweifel ich immer noch ob es nicht doch mein 1/6 ist. Der drückt und fühlt sich an als ob er da nicht hingehört. Ich habe das Gefühl einer dicken Backe. Und tatsächlich ist eine Schwellung neben der Nase bis zum Zahn zu sehen. Nun ja , nicht jede Seite ist gleich aber genau da?

und ständig habe ich eine verstopfte Nase. Manchmal am Morgen viel sekret aus der Nase auf dieser Seite.

ja die Depression kommt, wenn keiner helfen kann. Nun wurde gesehen dass der paradontalspalt an dem Zahn erweitert ist und das sagt, da stimmt etwas nicht. Aber ob es Überdruck oder eine Entzündung ist, weiß keiner. 

3,5 Jahre geht das jetzt bei mir. Zwischendurch hatte ich gedacht es ist weg, aber es kam mit voller Wucht zurück und hat mich aus meinem Leben geschmissen. 
es gibt Tage da denke ich, raus mit dem Zahn und dann wieder die Angst , dass es so kommt wie du beschrieben hast.

alles wegen einer unnötigen Weisheitszahn op, was ich damals nicht wusste. Dachte natürlich, raus, eine Woche dicke Backe , dann erledigt, aber denkste, nach 2 Wochen Dingen die Probleme an. 
dann wurde an dem 1/6 rumgepopelt. 
Füllung raus, irgendwann überkront. 
wenn es nur aufhört. 

lg


AntwortZitat
Maria
(@maria)
New Member
Beigetreten: 1 Jahr zuvor
Beiträge: 1
21/09/2020 3:19 pm  

Hallo

Das hört sich wirklich alles sehr dramatisch an.

Ich leide schon seit 2 Jahren an TN. Wirklich gebessert hat es sich allerdings trotz Einnahme von Pregabalin 150 mg tgl nicht. im Gegenteil .Ich habe schon manchmal das Gefühl die Schmerzattacken sind heftiger geworden. In der Regel habe ich Nachts keine Beschwerden ausser es hat sich eine Druckstelle gebildet die auch nachts höllisch schmerzen kann. Druckstellen habe ich öfters. Verursacht werden sie wohl durch den Druck einer auf den Kieferkamm aufliegendenTeleskopprothese.  Die Mundschleimhaut ist anscheinend dermassen empfindlich dass sie jeder noch so kleinen  Reizung nicht standhält. Die Restzähne sowie die Haltezähne im Ober-  und Unterkiefer sind alle entzündungsfrei und okay. Ich habe mich seit fast 2 Jahren ausser einen kleiner Zahntaschenreinigung keinen Eingriff zahnmedizinischem Eingriff unterzogen und immer gehofft es würde sich alles beruhigen. Von den vielen frustrierenden Zahnarztbesuchen möchte ich hier gar nicht berichten. Es ist alles sehr frustrierend und zermürbend und hat mich mittlerweile in eine mittelschwere Depression geführt.

Ich bin für jeden Ratschlag sehr dankbar.

     


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