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Seit 12 Jahren Neuropathie, jedoch dringend Zahnbehandlungen nötig  

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Petra Sch
(@petra-sch)
New Member
Beigetreten: 1 Jahr zuvor
Beiträge: 3
17/11/2019 8:26 pm  

Guten Tag Herr Wagner,

Ihre Seite Zahnfilm.de führte mich vor rd. 12 Jahren zur Erkenntnis, dass ich neuropathische Gesichtsschmerzen habe.

Ich habe die typische "Karriere" eines Neuropathikers hinter mir, diverse Schmerzen seit frühester Jugend, u. a. Migräne, Bildung eines ersten Schmerzgedächtnisses nach einem Sonnenstich. Leider auch immens schlechte Zähne von Anfang an - ich habe als Säugling und Kleinkind regelmäßig Antibiotika erhalten, die heutzutage kein Mensch im Wachstum mehr verordnet bekommt. Die Milchzähne waren schwarz, als sie herauskamen, die bleibenden Zähne schon gelb mit braunen Flecken. Jeder Zahnarzt sagt, er habe noch nie vorher so weiche Zähne gesehen, und dementsprechend viele massive Behandlungen (Wurzelbehandlungen, WSR, Kronen, Nervüberkappungen, Extraktion eines Weisheitszahnes mit Abbrechen aller vier Wurzelspitzen etc.) hatte ich schon vor 12 Jahren hinter mir und danach kamen aufgrund diffuser Schmerzen weitere Wurzelbehandlungen und noch 7 Extraktionen dazu. Ich habe brennende Schmerzen im rechten Unterkiefer nach Wurzelbehandlungen und Extraktionen sowie dabei Abbrechen des davor liegenden Zahnes, unterschiedliche Schmerzen im linken Oberkiefer nach 7xWurzelbehandlung am 6er, danach Extraktion des 6er mit Wundheilungsstörung, Kieferentzündung über den halben Oberkiefer etc., Phantomschmerzen an einem nicht mehr existenten Frontzahn.

Der jetzige Zustand sieht so aus, dass ich unten rechts keine Backenzähne und keinen Zahnersatz mehr habe, unten links ist der 7er weg, im Oberkiefer fehlen drei Zähne. Mit den Brücken im Oberkiefer gab es immer Probleme, so dass sie bislang nur provisorisch befestigt sind. Nach jedem neuen Befestigen hat es wenige Tage später einige Male darin geknackt, so dass sie dann möglicherweise wieder nicht mehr dicht waren.

Da man mir beim vorherigen Zahnarzt von Seiten einer Arzthelferin vorgehalten hat, dass ich aufgrund der bei mir vorliegenden Besonderheiten (keine Betäubung mit Adrenalin, Betäubung mit Mepivastesin wirkt nur max. 15 Minuten etc.) einen erhöhten Aufwand verursache, habe ich nach dem Herausfallen einer kleinen Füllung in den unteren Frontzähnen nun einen anderen Zahnarzt aufgesucht.

Dieser kennt sich mit Neuropathien nicht aus, geht aber vorsichtig heran und hat erst einmal Röntgenaufnahmen gemacht. Dabei wurde unter den Brücken und Kronen im Oberkiefer mehrmals Karies festgestellt.

Die Stellen müssten behandelt werden, je nach Zustand darunter könnten weitere Extraktionen erforderlich werden (was inzwischen große Probleme macht, weil ja keine Implantate eingesetzt werden können). Der jetzige Zahnarzt traut sich an die Behandlung nicht heran, weil es in der Folge zu einem Heraufschnellen des ohnehin recht hohen Dauerschmerzpegels kommen könnte.

Er hält eine Zahnextraktion für weniger stark nervenschädigend als tiefes Bohren, darf aber seiner Aussage zufolge keine Zähne ziehen, wenn diese noch irgendwie erhalten werden könnten.

Er hat mich deshalb zu den Zahnkliniken Münster verwiesen.

Dort war ich vor 12 Jahren einmal auf eine junge Zahnärztin getroffen, die ganz offensichtlich über die Neuropathien informiert war, denn sie riet mir von allen nicht zwingenden Behandlungen ab, weil es ein Teufelskreislauf sei.

Bei weiteren Besuchen in anderen Bereichen der Zahnkliniken wurde die Existenz von neuropathischen Schmerzen von den Ärzten und Professoren, auf die ich traf, jedoch immer abgestritten.

Daher verspreche ich mir von einer weiteren Konsultation dort praktisch nichts. Da die Karies jedoch schon so tief ist, dass ich immer wieder Zahnschmerzen habe, muss ja etwas geschehen.

Meine Frage daher wäre, ob es tatsächlich für die Zahnnerven "schonender" ist, einen tief geschädigten Zahn gleich zu ziehen anstatt alles aufzubohren ? (Ich müsste dann einen Zahnarzt/Oralchirurgen suchen, der bereit ist, die betreffenden Zähne zu ziehen.)

Und ob es Erfahrungen mit Lokalanästhetika gibt, die sich bei Neuropathikern besonders empfehlen, weil sie vielleicht das Auftreten weiterer Schmerzen in vielen Fällen verhindern können ?

Ein Oralchirurg hat Xylocain bei den Extraktionen verwendet, aber das gibt es künftig wohl nicht mehr.

Ich nehme seit 12 Jahren 300 mg Pregabalin und 35 mg Amitriptylin, der Schmerzpegel ist dadurch halbwegs erträglich (morgens 2, im weiteren Tagesverlauf bis 6). Eine Aufdosierung hat keinen Erfolg gebracht, auch Spritzen in den Gaumen bzw. den Rachen durch eine Schmerzfachärztin hatten so gut wie keinen Erfolg. Auch Schmerzmittel wie Palexia etc. bringen nichts. Sollte der Schmerzpegel heraufgehen, wird es daher wohl kaum eine Möglichkeit geben, ihn mit Hilfe von Medikamenten auf ein erträgliches Maß zu senken.

Können Sie mir vielleicht einen Rat geben, was ich wegen der aktuellen Zahnprobleme machen soll ? Ich bin wirklich ziemlich verzweifelt.


Zitat
Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: 4 Jahren zuvor
Beiträge: 77
19/11/2019 11:47 am  

Hallo,

Ich sehe 2 große Problemkreise:

1. Die immer noch aktive Neuropathie. Die Länge der Erkrankung erklärt sich bei Ihnen leider durch:

2. Dauernde eingreifende Zahnbehandlungen. Wurzelbeh. Extraktionen, Osteotomien (abgebrochene Wurzel) etc.

Dazu fällt mir ein: Herunterdrücken des Behandlungsbedarfs durch mehrfache Fluoridierungen - fragen Sie Ihren Zahnarzt. Absetzen zuckerhaltiger Getränke. Reparaturen an Füllungen und Kronen mit Hilfe von Glas Ionomer Zement.

Wenn sich irgendwo die Frage stellt, Wurzelbehandlung oder Extraktion, dann ist für Ihr Hauptleiden definitiv die Extraktion vorzuziehen.

Thema Implantate. Erstaunlicherweise gibt es bei Neuropathikern selten Probleme mit Implantaten. Das heißt nicht, dass man in ein stark überempfindliches Gebiet einfach reindübeln sollte. Man sollte erst die Schmerzpegel herunter bekommen. Und das funktioniert nur durch ganz große Zurückhaltung im Bohren.

 

VG J. Wagner

 

Selbstverständlich können Sie meinen Beitrag Ihrem Zahnarzt zeigen.


AntwortZitat
Petra Sch
(@petra-sch)
New Member
Beigetreten: 1 Jahr zuvor
Beiträge: 3
21/11/2019 4:25 pm  

@joachim-wagner

Vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort, Herr Wagner.

Gut, dann versuche ich, einen Behandler zu finden, der bereit ist, die betreffenden Zähne entfernen, und dann irgendeine Versorgung zu bekommen. Leider sind die Frontzähne auch stark betroffen.

Und ich versuche, wegen der weiteren Kariesgefahr noch verstärkter tätig zu werden, auch anhand Ihrer Tipps bei Zahnfilm.de. Aufgrund der extremen Mundtrockenheit durch die Medikamente und eine Radiojodtherapie vor einigen Jahren besteht zusätzlich eine erhöhte Kariesgefahr, auch an den Zahnhälsen.

Dann sind Implantate nicht immer gänzlich ausgeschlossen ? Ich habe immer gedacht, die wären aufgrund des massiven Eingriffes in den Knochen nicht möglich. Das bringt natürlich ein bisschen Hoffnung in Bezug auf die künftige Versorgung mit Zahnersatz - derzeit kann ich nur noch schlecht kauen und bei weiteren Extraktionen fällt das Kauen völlig weg. Die bisherigen Extraktionen liegen schon (etwas) länger zurück, da müsste man sicherlich auch den Knochen wieder aufbauen ?

Leider habe ich aber nach den langen Jahren wenig Hoffnung, dass man den Schmerzpegel noch senken kann - die Tendenz ist eher steigend als abnehmend. Halten Sie die zusätzliche Gabe von Carbamazepin in meinem Fall (jetzt noch) evtl. für zielführend ? Das kann ich mit meiner Ärztin sicherlich besprechen.

Kann jeder Zahnarzt Füllungen mit Glas Ionomer Zement herstellen und sind die ungefähr zahnfarben (es sind einige im Frontbereich vonnöten) ?

Herzlichen Dank noch einmal für Ihre Hilfe.

 


AntwortZitat
Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: 4 Jahren zuvor
Beiträge: 77
24/11/2019 4:10 pm  

Ein trockener Mund erhöht die Kariesgefahr enorm. Dafür gibt es von von Elmex die fluoridhaltige Spülung "Elmex Kariesschutz". Mindestens 2 * am Tag.

Implantat. An Ihrer Stelle würde ich 1 Stück Implantat sozusagen testen. Sprich Sie lassen sich an einer der strategisch wichtigsten Stellen (z.B. Eckzahn, oder 6-er) ein Implantat reindübeln. Bitte ohne Knochenaufbau, das verringert die Komplikationsrisiken.

Dann können Sie spätestens nach 2 Monaten beurteilen, wie das die Schmerzen nicht beeinflusst.

GIZ: Meine Hauptanwendung ist die Füllung im Backenzahnbereich. Das ist das Produkt Ketac molar, leider sehr opak/hell. Es gibt aber auch ästhetische GIZ, die im Frontzahnbereich in Frage kommen.

VG J. Wagner


AntwortZitat
Petra Sch
(@petra-sch)
New Member
Beigetreten: 1 Jahr zuvor
Beiträge: 3
26/11/2019 7:28 pm  

@joachim-wagner

Vielen herzlichen Dank für Ihre erneute Antwort, Herr Wagner.

Ich werde die Spülung besorgen. Xylit, Chlorhexamed, xylithaltige Zahnpasta, Elmex Gelee und eine Munddusche habe ich auch schon gekauft, um vielleicht zu retten, was noch zu retten ist.

Und ich werde das Thema Implantat besprechen, notfalls mit der Zahnklinik. Der 6er unten links könnte auch von Karies unter der Krone betroffen sein und bisher sind da eigentlich keine neuropathischen Schmerzen. Das wäre vielleicht eine geeignete Stelle für den Implantatversuch.

Auch das Thema GIZ werde ich ansprechen. Ich hoffe, ich finde den für meinen Sonderfall richtigen Zahnarzt.

Herzlichen Dank für Ihre Informationen und Ratschläge!

VG Petra Sch


AntwortZitat
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