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Zahnextraktion oder weiter abwarten?  

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Lilly Meister
(@wackelzahn)
New Member
Beigetreten: vor 1 Monat
Beiträge: 2
19/08/2019 1:56 am  

Hallo an alle,

ich leide mittlerweile seit 1,5 Jahren unter Zahnschmerzen im rechten Oberkiefer und stehe gerade vor der Entscheidung, mir ein oder zwei Backenzähne ziehen zu lassen oder nicht.

Ich bin 35 Jahre (w) und versuche meine Geschichte kurz zusammenzufassen: Seit 11 Jahren Tinnitus beidseits, vor 10 Jahren Unterkieferrückverlagerung, seit 6 Jahren Dauerkopfschmerzen (Untersuchungen ohne Befund, jegliche Therapieversuche ohne Erfolg, d.h. Aushalten der Schmerzen); vor 3 Jahren Zahnschmerzen im linken Oberkiefer (letzte beiden Backenzähne bereits wurzelbehandelt, Revision Wurzelfüllung des vorletzten Backenzahns und anschließende Extraktion, danach Gürtelrose auf dieser Gesichtsseite, weiterhin Schmerzen, Gabapentin und Amitriptylin ohne Wirkung, letzter Backenzahn noch immer „Wackelkandidat“, d.h. zusätzliches Aushalten der Schmerzen).

Vor 1,5 Jahren begannen die Zahnschmerzen im rechten Oberkiefer, aber es wurde zunächst keine Ursache gefunden. Erst nach einem dreiviertel Jahr wurde Karies im Zahnzwischenraum zwischen dem 6er und 7er festgestellt und behandelt. Danach wurden die Schmerzen schlimmer, es folgt die Wurzelbehandlung des 6ers. Aktuell Revision der Wurzelfüllung des 6ers (vorherige Füllung überstopft, Zahn beruhigte sich nicht) und auch laufende Wurzelbehandlung des 7ers. Die Schmerzen sind aktuell auch vorrangig auf der rechten und nicht mehr so sehr auf der linken Seite.

So langsam bin ich am Ende und meine Grenze vom Aushalten von Schmerzen ist erreicht. Ich würde mir den 6er auf der rechten Seite am liebsten ziehen lassen, habe aber große Angst, dass die Schmerzen danach nicht weg sind. Die beiden Zähne sind bisher nur provisorisch verschlossen und nun stellt sich mir die Frage, ob sich eine weitere Behandlung überhaupt lohnt. Die Schmerzen sind permanent da, aber zum Glück wenigstens in unterschiedlicher Intensität. Jegliche Schmerzmittel (angefangen von Ibu bis Tramadol) wirken nicht, aber nachts kann ich schlafen und auch kurz nach dem Aufstehen ist es für ca. 5 Minuten ok, bevor es weitergeht. So wie ich gelesen habe, spricht das ja eher gegen einen Schmerz vom Zahn. Aber die Zähne sind trotzdem auch klopfempfindlich. Das spricht ja eher wieder für Schmerzen ausgehend vom Zahn oder gibt es das auch bei neuropathischen Schmerzen? Kann ein Zusammenhang der Zahnschmerzen auch mit der Unterkieferrückverlagerung bestehen, auch wenn einige Jahre zwischen der OP und dem Auftreten der Schmerzen liegen? 

Danke fürs Lesen!


Zitat
Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: vor 2 Jahren
Beiträge: 17
20/08/2019 8:11 am  

Hallo,

Ihr Schmerz kommt definitiv nicht von den Zähnen. Die Klopfempfindlichkeit erklärt sich durch die Wurzelbehandlung. Einen sicheren Zusammenhang zwischen der Rückverlagerung des UK und dem Ausbruch der Neuropathie sehe ich zwar nicht, aber wir wissen, dass Unfälle im Gesicht (und eine Knochenchirurgie ist nichts anderes) die Neuropathie auslösen können. Der Herpes Zoster Virus (= Gürtelrose) löst im Trigeminus Bereich regelmäßig eine Neuropathie aus. Sie haben also leider 2 spezielle Risiken. Übrigens ist das Nichtvorhandensein des Schmerzes direkt nach dem Aufwachen ein sicheres Zeichen für Trig. Neuropathie.

Was zu raten ist

Die Wurzelfüllung sollte planmäßig abgeschlossen werden, trotz Schmerzen. Als dringend notwendiges Medikament sehe ich bei Ihnen Carbamazepin 300mg 0,5-0-0,5.

Ich habe jetzt noch nicht gelesen, wie stark ihr Schmerz im Durchschnitt und bei Spitzen ist.

VG J. Wagner


AntwortZitat
Lilly Meister
(@wackelzahn)
New Member
Beigetreten: vor 1 Monat
Beiträge: 2
21/08/2019 10:47 am  

Hallo Herr Wagner,

vielen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort! Ich fühle mich endlich einmal ernst genommen und in meiner Vermutung und meinem Gefühl, woher die Schmerzen kommen könnten, bestätigt. Die Endodontologin war bisher sehr auf die Zähne fokussiert und die Möglichkeit einer anderen Ursache habe ich angesprochen. Auch der Neurologe (bei dem ich zum ersten Mal war und dem ich meine Vorgeschichte nur kurz geschildert habe) hat irgendwie sehr an der Zahnbehandlung festgehangen. Allerdings hat er mir das Carbamazepin aufgeschrieben. Entschuldigen Sie, das hatte ich in meinem Beitrag vergessen zu erwähnen, aber ich bin sehr beruhigt, dass Sie die gleiche Vorgehensweise vorschlagen. Ich nehme das Carbamazepin jetzt seit 2 Wochen und 2 Tagen und bin mittlerweile bei einer Dosis von 600 mg. Die Schmerzen sind allerdings noch da, aber gefühlt etwas weniger stark.

Im Durchschnitt lag der Schmerz auf der rechten Gesichtsseite bei einer Stärke von 6 mit Schmerzspitzen bis 8-9. Aktuell liegt der Durchschnitt bei einer Stärke von 4, aber es gibt noch immer Phasen mit 7.

Wie lange dauert es, bis man eindeutig beurteilen kann, ob das Carbamazepin wirkt oder nicht?

Bevor ich meine Zähne verschließen lasse, habe ich noch eine Frage, denn eine Sache lässt mich dann doch immer zweifeln und den 6er Backenzahn als Übeltäter vermuten. Der eine Wurzelkanal war bei den letzten Terminen zum Spülen so empfindlich, dass ich schon Schmerzen hatte, noch bevor die Ärztin überhaupt im Kanal war, und auch beim Wegbohren der provisorischen Füllung ist der Zahn superempfindlich gewesen. Können neuropathische Schmerzen für diese Empfindlichkeit verantwortlich sein?

VG Lilly


AntwortZitat
Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: vor 2 Jahren
Beiträge: 17
22/08/2019 9:34 am  

Empfindlichkeit von Kanälen: Das kommt auch bei Normalpatienten vor und ist nicht sicher zuzuordnen. Es sollte bei Ihnen aber trotzdem abgefüllt werden. Danach ist eine erhöhte Schmerzphase für 6 Wochen zu erwarten.

Behandlungsziel

Sie brauchen für mindestens 2 Jahre völlige Abstinenz von zahnärztlichen Eingriffen aller Art (nach der Wurzelfüllung). Die Medikamente helfen beim Herunterkommen der Schmerzstärke, es muss aber auch die Eigenheilung dazukommen, was nur funktioniert, wenn nicht dauernd an den Zähnen herumgewerkelt wird.

Ein Durchschnittswert der Schmerzen von 4 ist doch schon ein guter Anfang. Sie können übrigens Gabapentin problemlos bis 1200mg pro Tag erhöhen.


AntwortZitat
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