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Verzweifelt mit Zahn/Kieferschmerzen nach Zahnarzt-Odysee  

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Maxi
 Maxi
(@maxi)
New Member
Beigetreten: 4 Monaten zuvor
Beiträge: 2
03/03/2020 2:19 pm  

Schönen guten Tag Herr Wagner,

gestern bin ich auf Ihre Seite gestoßen, nachdem ich seit Herbst 2019 mit ständigen "Zahn-/Kieferschmerzen" dauerhaft und inzwischen verzweifelt zu Zahnärzten renne.

Historie zusammengefasst:

  • 2019: Warm-/Kaltschmerzen Zahn 26, Diagnose Riss, Füllung
  • 2019: erneute Warm-/Kaltschmerzen Zahn 26, extreme Schmerzen bei Ultraschallreinigung, Versorgung mit Krone empfohlen
  • 2019: nach Abschleifen für Krone ging das Drama los mit immer wiederkehrenden (ohne festen Rhythmus) Schmerzen rund um Zahn/Kiefer, div. Zahnarztbesuche, kein eindeutiger Entzündungsbefund
  • 12.2019 – 16.-1.2020: 4 Wurzelbehandlungen (auf Röntgenbildern nie eindeutige Entzündung erkennbar), wiederkehrende Schmerzen (am schlimmsten nach dem 16.1.)
  • 02.20: Nach div. „Zweitmeinungen“ zu „Riss im Zahn“ und „Wurzelbehandlung nicht aussichtsreich“ Zahn 26 (teilweise aus Verzweiflung) extrahieren lassen.
  • Nach Extraktion: kaum Schmerzen, gute Wundheilung, allerdings 10 Tage Influenza
  • Seit ca. 17.02.20: wieder Schmerzen wie zuvor, über Lücke 26, auch 27 bzw. 25 empfindlich, Zahnfleisch/Mundschleimhaut rundherum empfindlich, Schmerzen li. bis zu Kiefer/Ohr/Kieferknochen unter Auge, längere schmerzfreie/-arme Phasen
  • Seit ca. 28.02.20: Dauerschmerzen zumeist ab mittags, manchmal auch anderer Rhythmus (Schmerzstärke geschätzt 4-5), gefühlt wechselnde Stellen mal Kiefermuskel, Schläfe, Kiefernhöhle unter Auge, stechender Schmerz neben Nase, „verbranntes“ Gefühl auf li. Mundseite (seit 27.2. allerdings auch wieder starke Erkältung mit Husten und eitrigem Nasensekret!).

Ich bin 51 J., bisher lt. sämtlichen Zahnärzten gute Zähne (26 war erste Extraktion), keinerlei Zahnprobleme (bisher auch nicht mit Kunststofffüllungen), allerdings Angsterkrankung bekannt und in Behandlung (Kopf/Zähne war nie Thema, auch keine Kopfschmerzen); CMD vor 4 J. diagnostiziert (Kiefer knackt und Triggerpunkte an Muskeln sensibel, bisher mehr rechts, Unterkieferschiene nachts, mehrfach manuelle Therapie (wieder seit 27.02.).

Nun habe ich in meiner Verzweiflung Ihre Artikel, vor allem die Beschreibung unter „Schmerz nicht vom Zahn“ und „weniger häufige Symptome bei TN“ gelesen sowie einige Beiträge im Forum und befürchte, dass dies inzwischen leider genau bei mir zutrifft. Das meiste passt (Ausnahme das mit der Betäubungsspritze, das habe ich nicht bemerkt); insbesondere dass es nachts wenig bis gar nicht auftritt, gefühlt beim Kauen auf der Seite sogar besser wird (was wohl gegen CMD spräche), IBU 800 sowie Diclophenac 75 nicht helfen, wohl aber Ablenkung (und teilweise leider auch Alkohol, wohl wegen Entspannung).

Seit 19.02. war ich bei 5 versch. Zahnärzten, die allesamt nichts Auffälliges finden (außer evtl. CMD). Gestern wurde ein OPT vom Kiefer gemacht: alles gut, keinerlei Entzündungszeichen; Klopf-Kältetests auch alle prima, leicht wundes Zahnfleisch rund um Extraktionsstelle. Ende der Wo. stünde nochmal ein Termin bei einem CMD-Spezialisten wg. des Kieferthemas an.

Könnte es sich um eine Trigeminus Neuropathie handeln (oder kann es evtl. auch noch mit der Grippe/Erkältung zu tun haben)? Was soll ich tun (Tabletten oder nochmal länger nach der Extraktion abwarten)? Macht eine weitere Kieferuntersuchung (evtl. MRT ?) beim CMD-Spezialisten überhaupt noch Sinn? Inzwischen bin ich sehr verzweifelt und hoffe auf Ihre erfahrene Einschätzung, für die ich Ihnen sehr dankbar wäre.

Vielen herzlichen Dank im voraus.


Zitat
Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: 3 Jahren zuvor
Beiträge: 77
03/03/2020 4:32 pm  

Hallo

Ihre Vermutung ist richtig. Das wird eine echte Neuropathie, wenn nicht sofort jede weitere zahnärztliche Behandlung auch PZR eingestellt wird. Bis hierhin könnte man es noch als Zahnmigräne einstufen. Wenn Alkohol hilft und Diclofenac nicht, dann ist von vornherein klar, dass der Zahn unschuldig war.

Die gute Nachricht: Sie haben ausgezeichnete Chancen, dass sich die aktuelle Überempfindlichkeit des Trigeminus von alleine legt.

Bei der von Ihnen genannten S-Stärke bis 5 empfehle ich die 3 monatige Einnahme von Amitriptylin 10mg plus Gabapentin 300mg morgens und abends.

VG J. Wagner


AntwortZitat
Maxi
 Maxi
(@maxi)
New Member
Beigetreten: 4 Monaten zuvor
Beiträge: 2
03/03/2020 6:36 pm  

@joachim-wagner

Vielen Dank, Herr Wagner, für die schnelle Antwort, die meine Vermutung leider bestätigt hat.

Was mich noch etwas verunsichert sind folgende Tatsachen:

  • Ich empfinde den Schmerz nicht im Wesentlichen als Brennen, sondern als Druckschmerz auf dem Kieferknochen über den Zähnen, Schläfe, Kiefergelenk, Nasennebenhöhlen (auch nicht auf der Haut, sondern es fühlt sich ganz tief hinten im Kiefer an, so als ob der ganze Oberkiefer in einem Schraubstock wäre). Brennen hatte ich ein paar Mal im Mund wie an der Mundschleimhaut empfunden.
  • Ich kriege den Mund auch nicht weit genug auf (war auch ein großes Problem bei den vielen Zahnbehandlungen) und es tut dann weh im Kiefer (derzeit eben links). Besteht hier noch ein möglicher Zusammenhang zu einer Kiefererkrankung/CMD (im Hinblick auf den Termin am Fr. oder sollte ich das gleich bleiben lassen, da weiter zu suchen… MRT…??)
  • Ich habe aufgrund meiner Angsterkrankung früher bereits zweimal Duloxetin 30 mg genommen und habe es auch kürzlich vom Neurologen wieder verschrieben bekommen, allerdings (aufgrund der Grippe..) noch nicht genommen. Ist Duloxetin schlechter geeignet als das trizykl. Antidepressivum, das Sie vorschlagen?
  • Sie schreiben, dass ich Hoffnung haben könne, dass die Schmerzen sich von alleine legen….(die Schmerzstärke anzugeben fiel mir in dem Zusammenhang schwer). Halten Sie es also für wenig aussichtsreich, erst mal ohne Medikamente abzuwarten (bis nach der Erkältung etc.), ob sich das Ganze legt (ohne weitere Zahnarztbesuche)?

Vielen Dank und freundliche Grüße


AntwortZitat
Maxi
 Maxi
(@maxi)
New Member
Beigetreten: 4 Monaten zuvor
Beiträge: 2
03/03/2020 7:19 pm  

@joachim-wagner

Entschuldigung Herr Wagner,als Ergänzung zum obigen Text noch:

Macht die Manuelle Therapie für CMD bei dieser Diagnose überhaupt Sinn (oder ist sie für evtl. für den Trigeminus kontraproduktvi)?


AntwortZitat
Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: 3 Jahren zuvor
Beiträge: 77
03/03/2020 8:43 pm  

Die manuelle Therapie passt überhaupt nicht zur Neuropathie. Sie ist nur sinnvoll bei muskulärer TMD (hierzulande CMD genannt). Würde ich jetzt nicht machen.

Pillen: Sie helfen dem Schmerz die Schärfe zu nehmen, sind aber nicht die Ursache für eine Heilung. Das geht nur über die Zeit und Null Eingriffe seitens der Zahnärzte.

VG J. Wagner


AntwortZitat
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