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Dauerschmerzen nach etlichen Zahnbehandlungen  

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VanaVanille
(@vanavanille)
Active Member
Beigetreten: vor 4 Wochen
Beiträge: 5
25/08/2019 10:26 am  

Sehr geehrter Herr Wagner,

ich hoffe, Sie können mir helfen.

Alles begann mit Zahnschmerzen vor anderthalb Jahren am oberen 6er und 5er (rechts), die ich nicht klar zuordnen konnte.  Die beiden Zähne wurden dann nach wochenlangen Schmerzen ohne Röntgenbefund wurzelbehandelt. Danach kehrte nach einer Woche Ruhe ein.

Der richtige Kummer begann Mitte April dieses Jahres. Der 6er bereitete mir wieder Schmerzen. Nach erneuter Wurzelbehandlung und weiteren Schmerzen wurde dieser dann gezogen. Es wurden auch Zysten an den Wurzelspitzen entdeckt. Danach folgte eine sehr schmerzhafte Wundheilungsstörung mit zwei Auffrischungen und kaum Schmerzlinderung. Antibiotikum und Schmerzmittel brachten nur geringen Erfolg bis dann die Wunde irgendwann zugewachsen war. 

Eine Woche später folgten Schmerzen am 5er daneben. Zahnärztin erkannte auf dem Röntgenbild scheinbar eine Entzündung der Wurzelspitze und führte eine WSR durch. Danach hatte ich lange Probleme mit diesem Zahn, dessen Zahnfleisch (drumherum) weiterhin taub ist. Manchmal zieht auch dort noch ein Schmerz ein, aber dort finden nicht die Dauerschmerzen statt.

Die Dauerschmerzen habe ich am 6er und 5er rechts unten. Besagte Zahnärztin behandelte den unteren 5er (rechts) mit der Aussage, es handle sich nur um eine kleine Stelle, da würde ich nichts merken. Während der Behandlung spürte ich auch nichts, jedoch begannen dann Schmerzen zwei Tage darauf, die auch nach zweieinhalb Wochen noch da waren. Nachts konnte ich schlafen. Ein Füllungswechsel wurde vollzogen, zwei Tage später so schlimme Schmerzen, dass meine Zahnärztin eine Wurzelbehandlung durchführte, die sehr seltsam verlief, weil die Betäubung nicht wirken wollte. Doch auch Danach blieben die Schmerzen, die ich kaum noch beschreiben konnte. Drei Tage darauf bin ich zum Notdienst, der den Zahn dann öffnete und auf ließ. Ich hatte das Gefühl, dass die Schmerzen dann ein wenig nachließen, aber sie blieben die Dauerschmerzen, die auch nicht mit Schmerzmittel zu bekämpfen waren (selbst IBU 800 brachte nichts; Novalgin kann ich nicht nehmen, weil ich allergisch darauf reagiere). Langsam hatte ich den Verdacht, dass die Schmerzen nicht allein vom 5er kamen und ließ auch den unteren rechten 6er noch behandeln. Es wurde Sekundärkaries entdeckt, die aber nur oberflächlich gewesen sein soll. Drei verschiedene Zahnärzte machten Röntgenaufnahmen und fanden nichts ungewöhnliches. Auch die Endodontologin, die den unteren 5er wieder professionell wurzelbehandelte und schloss konnte keine Schmerzursache ausmachen.

Bis jetzt bleiben also die Dauerschmerzen am unteren rechten 5er und 6er, die meinem Empfinden nach aber mehr vom 6er kommen und sich wie ein bleibendes Ziehen anfühlen. Manchmal ist es jedch auch ein Brennen der ganzen Kieferpartie oder ein Kribbeln in der Lippe. Nachts kann ich weiterhin gut schlafen, aber sobald mein Hirn morgens wach wird, beginnen die Schmerzen. Sie sind mal intensiver, mal leichter zu ertragen, aber ein ständiger Begleiter. Nachdem ich nach solchen Symptomen gesucht habe, bin ich auf Ihre Website gestoßen, die mir wieder Mut gemacht hat. Würden Sie nach meinen Beschreibungen auch auf eine Neuropathie tippen?

Vielen Dank schon im Voraus!


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Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: vor 2 Jahren
Beiträge: 17
26/08/2019 9:06 am  

Hallo Vana,

bei ihnen sind alle Bedingungen erfüllt, die bei einer Neuropathie des Trigeminus auftreten: 1) nachts ist Ruhe, 2) Ibu hilft nicht, 3) mehrere Zahnärzte nacheinander sind überfordert, 4) Dysästhesie auf der Lippe unten (Brennen, Kribbeln). 5) Beginn als Zahnmigräne am 16,15 = Zahnschmerzen ohne erkennbaren Grund. Klassischer geht es nicht. Lehrbuchmäßig sozusagen.

Ihr 2. und 3. Ast des rechten Trigeminus hat einen Schaden. Entweder durch Unfall, Herpes Zoster Virus oder genetisch (in der engeren Verwandtschaft Migräne, Trigeminus Neuralgie). Wobei ich allerdings anmerken muss, dass in mindestens der Hälfte der Fälle die Ursache unbekannt ist.

Für Sie wichtig: Für mindestens 2 Jahre Zahnarztabstinenz! Das ist der Königsweg zur Selbstheilung. Und von mir vertretene Medikamentenkombination ist lediglich die Krücke, um die Zeit zu überbrücken.

VG J. Wagner


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VanaVanille
(@vanavanille)
Active Member
Beigetreten: vor 4 Wochen
Beiträge: 5
26/08/2019 9:15 am  

@joachim-wagner

Vielen Dank für diese Bestätigung.

Leider muss ich diese Woche für eine endgültige Wurzelfüllung des unteren 5ers nochmal zur Endodontologin, da er bisher nur mit einem Medikament aufgefüllt wurde. Ich habe Angst vor den darauffolgenden Schmerzen, aber so wie er ist, kann er ja nicht bleiben.

Heute Morgen hatte ich übrigens einen Neurologentermin. Dieser hat mir Gabapentin verschrieben, welches ich langsam hochdosieren soll. Mitte September ist dann mein zweiter Termin, um zu schauen, ob es etwas gebracht hat. Glauben Sie Gabapentin allein, kann die Schmerzen lindern, oder sollte ich auf eine zusätzliche Verschreibung eines Antidepressivas bestehen?

Dankbare Grüße, Vana


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Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: vor 2 Jahren
Beiträge: 17
26/08/2019 9:20 am  

Hallo Vana,

Amitriptylin wird immer noch als Antidepressivum wahrgenommen. In der Funktion ist es aber schon lange veraltet. Die Rolle als Antineuropathikum ist heute wesentlich wichtiger. Was man schon an der Dosierung erkennen kann: 10mg reichen in der Bekämpfung der Neuropathie, bei Depressionen gab es früher 100mg.

Also ja, würde ich dazunehmen.

VG J. Wagner


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VanaVanille
(@vanavanille)
Active Member
Beigetreten: vor 4 Wochen
Beiträge: 5
27/08/2019 8:11 am  

@joachim-wagner

Guten Morgen Herr Wagner,

ich schreibe nochmals, weil ich diese Nacht sehr schlecht schlafen konnte. Um 3 Uhr nachts mit Schmerzen am unteren rechten 6er aufgewacht und danach war an einschlafen nicht mehr zu denken. Kann das auch bei einer Neuropathie vorkommen oder sollte ich lieber die Zahnärztin doch nochmal draufschauen lassen? Bin gerade ziemlich verzweifelt, weil mir bisher jedenfalls immer die Nächte eine Pause gaben. 

Falls die Nächte nicht wieder besser werden sollten und meine Zahnärztin auch nichts entdeckt, sollte ich dann bei einer endgültigen Gabapentin-Dosierung von 1200 mg noch spätabends eine nehmen, damit es auch für die Nacht wirken kann? 

Liebe Grüße, Vana


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Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: vor 2 Jahren
Beiträge: 17
28/08/2019 9:19 am  

Passt nicht, der Schmerz nachts. Aber: Ich habe kleine Gruppe innerhalb der Neuropathiker, die auch nachts Schmerzen hat. Ausgeschlossen ist also nichts. Wenn im Röntgenbild alles gut aussieht, und ein Riss ausgeschlossen werden kann, darf am Zahn nichts verändert werden.

Selbstverständlich können Sie auch nachts noch eine Gabapentin nachlegen.

VG J. Wagner


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VanaVanille
(@vanavanille)
Active Member
Beigetreten: vor 4 Wochen
Beiträge: 5
28/08/2019 1:55 pm  

@joachim-wagner

Heute Nacht war wieder Ruhe. Wie lange dauert es, bis ich eine Wirkung von Gabapentin spüren kann? Ich hatte etwas von zwei Wochen gelesen. Stimmt das? 

Letzte Woche hatte ich aus Verzweiflung noch ein DVT bei meiner Zahnärztin machen lassen. Die ist sich aber auch nicht ganz sicher, ob sie darauf etwas erkennen kann. Meint, es könnte wirklich der 6er sein, weil ein Pulpenhorn sehr weit nach oben reicht und durch die Füllung (trotz Unterfüllung) "geärgert" wird.  Außerdem könnte es sein, dass dort an der Wurzelspitze eine kleine Entzündung zu sehen ist. Aber wie gesagt, sie ist sich nicht sicher. Da ich morgen meine endgültige Wurzelfüllung bei meiner Endodontologin erhalte, werde ich sie nochmal darauf schauen lassen, da meine Zahnärztin sich schon wundert, warum der Zahn denn nicht auf Klopfen reagiert (es setzt erst Sekunden danach ein anhaltender Schmerz ein).

Ein Problem habe ich jedoch noch. Ich habe seit langem am unteren rechten 5er, also dort, wo auch derzeit die Schmerzen auftreten, ein Amalgam-Tattoo, welches bisher keine Beschwerden bereitete. Auf dem DVT hat die Zahnärztin aber nun erkannt, dass sich dort noch ein Amalgamstück befindet, welches sie herausholen will. Ich halte das derzeit für ein schlechte Idee, oder? 


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Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: vor 2 Jahren
Beiträge: 17
28/08/2019 3:17 pm  

Alle Antineuropathika brauchen Zeit, zwischen 1 und 4 Wochen.

Veröffentlicht von: @vanavanille

da meine Zahnärztin sich schon wundert, warum der Zahn denn nicht auf Klopfen reagiert (es setzt erst Sekunden danach ein anhaltender Schmerz ein).

Das ist absolut typisch für neuropathische Schmerzen. Sofortiger Schmerz beim Klopfen deutet auf eine Entzündung an der Wurzelspitze hin, verzögerter anhaltender Schmerz das genaue Gegenteil: Der Zahn ist unschuldig.

Zur Wiederholung: Jegliche zahnärztliche Behandlung ist zu unterlassen, solange neuropathische Schmerzen vorhanden sind. Erfahrungsgemäß verschlimmern sogar "harmlose" Eingriffe, wie z.B. eine Zahnreinigung, die Schmerzen.

VG J. Wagner


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VanaVanille
(@vanavanille)
Active Member
Beigetreten: vor 4 Wochen
Beiträge: 5
09/09/2019 3:17 pm  

@joachim-wagner

Sehr geehrter Herr Wagner, 

ich nehme nun seit zwei Wochen Gabapentin (über den Tag 1200mg) und seit kurzem auch einmal am Tag Amitriptylin 10 mg und habe wirklich das Gefühl, dass es besser wird. Dennoch brechen die Schmerzen immer mal wieder durch und meine Zahnärztin meint, es könnte auch die große Füllung am unteren, rechten 6er sein, die den Nerv ärgert und ihn langsam absterben lässt. Würde Gabapentin auch die Schmerzen einer beginnenden Pulpitis lindern oder hätte das Medikament darauf keine Wirkung? 

Ich bin leider wieder sehr verunsichert. In zwei Wochen möchte die Ärztin nochmals einen Vitalitätstest machen, da der heutige in ihren Augen sehr verzögert ablief. 


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