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Geschmackssensationen nach Revision der Wurzelbehandlung  

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martina
(@martina)
New Member
Beigetreten: 7 Monaten zuvor
Beiträge: 2
02/01/2020 11:43 pm  

Sehr geehrter Herr Wagner, vielleicht fällt Ihnen dazu etwas ein.

Vor einigen Jahren wurden bei mir der 45 und der 46 wurzelbehandelt (es sind meine einzigen wurzelbehandelten Zähne)

Der 45 bekam eine Füllung mit einem Metallstift darin, der 46 eine Krone.

Anfang September 2019 ging ich zum Zahnarzt, weil sich der 45 komisch anspürte und um den 46 eine Entzündung war.

Nach dem Röntgen begann der Zahnarzt mit einer Revision der Wurzelbehandlung am 46.

Nach der zweiten Sitzung fing es an, dass ich ständig einen komischen Geschmack im Mund hatte und sich beide Zähne bei Berührung mit der Zunge pelzig und wie leicht elektrisch anspürten.

Für mich fühlte es sich so an, als ob der Geschmack( manchmal metallisch, dann wieder süßlich, manchmal so scharf, dass der ganze Mundraum brannte) aus bzw neben den Zähnen austreten würde. 

Der Zahnarzt versicherte mir, dass das gar nicht möglich sei, aber möglicherweise die Metalle miteinander reagierten.

Also ersetzte er die Krone vom 46 durch eine Kunsstoffkrone und entfernte den Stift vom 45. Das brachte aber keine Besserung, der Geschmack im Mund war zeitweise unerträglich, zusätzlich hatte ich öfters das Gefühl, als ob es im Kiefer knistern würde.

In etlichen Sitzungen wurde der 46 immer wieder gereinigt, bis er nach mehr als 2 Monaten Ende November doch gezogen wurde. Dabei stellte sich heraus, dass sich an der Wurzelspitze eine Riesenentzündung befand, die man am Röntgen nicht gesehen hatte.

Auch die Extraktion änderte nichts an den Geschmackssensationen. Auch ist es immer noch so, dass sich der 45 wie ein Fremdkörper im Mund anfühlt, als ob er riesengroß und schwammig wäre. 

Der Zahnarzt tauschte die Kunststofffüllung durch eine Zementfüllung, aber das brachte auch nichts.

Ich hätte das Gefühl, dass im 45 etwas nicht stimmt, dass da vielleicht auch wieder eine Entzündung drinnen ist, aber das Röntgen vom 45 ist komplett unauffällig.

So, das ist der status quo, ich war auch bei einem anderen Zahnarzt, der auch meinte, dass der Geschmack nicht von dem Zahn kommen kann. Die praktische Ärztin tippte auf einen stillen Reflux, was aber von den Symptomen her nicht wirklich passt und auch vom HNO-Arzt kein Hinweis darauf gefunden wurde. Außerdem würde das ja auch nicht erklären, warum sich der 45 so komisch anfühlt.

Ich bin mittlerweile schon etwas zermürbt und auch leicht verzweifelt, nicht nur, weil der Geschmack im Mund so grauslich ist, sondern vor allem, weil mir keiner sagen kann, wo der eigentlich herkommt.

Der Zahnarzt meinte nun, dass sich vielleicht hormonell bedingt die Zusammensetzung des Speichels geändert hat. Das könnte vielleicht den Geschmack erklären, aber würde sich da nur der 45 als einziger Zahn komisch anspüren?

Oft ist es so, dass sich durch den Geschmack ein Belag auf Zunge, Gaumen und Zähnen bildet oder es brennt alles so, dass es kaum auszuhalten ist, manchmal hab ich das Gefühl, dass Zunge und Gaumen wie taub werden.

In der Nacht habe ich kein Problem, auch ist der Geschmack in der Früh am unauffälligsten.

Fällt Ihnen dazu etwas ein?

Kann es sein, dass durch die Einlagen in den 46 irgendeine Art von Allergie ausgelöst wurde? Aber würde ich da immer noch darauf reagieren, wenn es den Zahn schon gar nicht mehr gibt?

Kann es sein, dass bei der Revision ein Nerv verletzt wurde und diese Geschmacksstörungen ausgelöst hat? (Einmal hat der Zahnarzt gesagt, dass er sehr tief hinuntergekommen ist, kann da etwas passiert sein?)

Kann im oder am 45 eine Entzündung sein, obwohl das Röntgen ok ist?

Und könnte das eine Erklärung sein?

Was könnte ich noch machen?

Ich wäre Ihnen für eine Idee sehr dankbar!

Mit lieben, aber leicht verzweifelten Grüßen, Martina

 

 

 


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Schlagwörter für Thema
Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: 3 Jahren zuvor
Beiträge: 77
04/01/2020 12:41 pm  

Hallo,

das würde ich doch einen ungewöhnlichen Fall  von Trigeminus Neuropathie nennen. Die Beweise dafür: Nachts ist es weg, dafür alle Anzeichen einer nervlich bedingten Geschmacks- und Empfindungsveränderung (taub, pelzig, Fremdkörper riesengroß) vorhanden, dazu wechselnde Geschmacks- und Schmerzqualitäten.

Die Geschmacksirritationen (süßlich, metallisch, scharf) haben nichts mit der Zunge  und schon gerade nicht mit den Zähnen zu tun. Das geht aus der Vorgeschichte sonnenklar hervor. Ich bewundere den Kollegen, soviel Geduld beim Ausstauschen der Materialien gehabt zu haben.

Spätestens nach der Extraktion 46 und keiner Verbesserung hätte die Alarmglocke klingen sollen: "Hier stimmt doch ganz was anderes nicht."

Gehen Sie davon aus, dass Ihr 3. Trigeminusast rechts unten eine böse Macke hat. Das führt dazu, dass Sie spontan von dort Mißemfpindungen gemeldet bekommen, die nicht im Mund vorhanden sind. Das Süße, Metallische oder Scharfe wird kein anderer Mensch feststellen, der Ihren Speichel probiert.

Und wir wissen, dass bei einer bestätigten Neuropathie alle zahnmedizinischen Maßnahmen das Problem verschlimmern, nie verbessern. Das ist der Grund für die von Ihnen beobachtete Eskalation jeweils nach WB Revision, Materialwechsel und Extraktion.

Sie benötigen bei Beschwerden über 5 auf der Skala 0 bis 10 antineuropathische Medikation.

Noch wichtiger: Alle Zahnmedizin muss rechts unten für 2 Jahre komplett eingestellt werden.

 

VG J. Wagner


AntwortZitat
martina
(@martina)
New Member
Beigetreten: 7 Monaten zuvor
Beiträge: 2
04/01/2020 3:20 pm  

Lieber Herr Wagner,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort!

Ein paar Fragen hätte ich noch dazu, wenn ich darf 😉

1) Könnte die "Macke" durch die Revision der WB verursacht worden sein?

2) Gibt es eine Untersuchung, die diese Neuropathie bestätigen würde?

3) Was wäre die antineuropathische Medikation und welcher Arzt ist dafür der Ansprechpartner?

4) Gibt es etwas, dass man auch ohne Medikamente unterstützend machen oder nehmen könnte?

5) Besteht auch die Möglichkeit, dass diese Irritationen von alleine wieder weggehen, und wenn ja, in welchem Zeitrahmen?

6) Das heißt, auch kein Implantat in den nächsten 2 Jahren an Stelle des gezogenen 46?

 

Ich danke Ihnen vielmals und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße, Martina

 


AntwortZitat
Joachim Wagner
(@joachim-wagner)
Mitglied Admin
Beigetreten: 3 Jahren zuvor
Beiträge: 77
07/01/2020 2:01 pm  

Meine Antworten:

1) schwer zu sagen. Je mehr gebohrt, gefüllt und gezogen wird, desto mehr Schmerz.

2) Leider nein. Labormäßige oder bildgebende Verfahren zum Nachweis existieren noch nicht.

3) Die erfolgversprechendste Medikation besteht aus einer Kombination der am besten getesteten Medis: Amitriptylin, Carbamazepin und Gabapentin. Zuständig ist der Hausarzt oder Neurologe. Ich nicht, weil ich Sie nicht gesehen habe.

4) Viel schlafen, Kaugummi kauen, Antiangst Therapie.

5) Ja, Zeitrahmen etwa so wie die Vorgeschichte.

6) Man könnte. Würde ich aber nicht machen, weil dann bestimmt wieder ein Schlaumeier auf die Idee kommt, dass Implantat Schuld an Allem ist, was aber nicht stimmt.

VG J. Wagner

 


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